Gaarz liegt auf Höhe des deutschen Elbe-km 501

und beim brandenburgischen Elbdeich-km 65.

Weitere Infos hier: Prignitz

 


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Alfred hat endlich seinen neuen Quadkopter und machte damit heute, am 29. Februar 2016, dieses Foto vom überschwemmten Elbvorland elbabwärts Richtung Dömitz. Die Elbe ist links  im Bild. Der grüne Streifen rechts ist der Deich. Oberhalb führt der Elberadwanderweg entlang.

Das Bild ist leider z.Zt. deaktiviert

 

Dank an alle,

          die uns in den Hochwassertagen 2013 begleiteten, 

       für's Daumendrücken,

die uns Mut machten und in Gedanken bei uns "achtern Diek" waren

Danke, es hat etwas genützt!       

Hochwasser Juni 2013  -  das neue

Elbe - Jahrhunderthochwasser

Wasserstände am 4 km elbabwärts/westlich von uns gelegenen Pegel Dömitz:

1.6.: 349cm/+17cm (Pegelanstieg seit gestern); 2.6.: 362cm/+13cm; 3.6.: 376cm/+14cm; 4.6.: 391cm/+ 15cm; 5.6.: 412cm/+21; 6.6.: 436cm/+24cm; 7.6.: 485cm/+49; 8.6.: 558cm/+73cm; 9.6.: 652/+94; 10.6.: 712cm/+60; 11.6.: 720cm/+8; 12.6.: 717cm/-3 (Pegelfall seit gestern);  13.6.: 697cm/-20; 14.6.: 677 cm/-20; 15.6.: 659cm/-18; 16.6.: 645cm/-14; 17.6.: 632cm/-13; 18.6.: 620cm/-12; 19.6.: 604cm/-16;

Fazit:

Insgesamt legten die 50 Deichläuferinnen und -läufer in den 13 Tagen vom 7. - 19. Juni 2013 rund 1.000 km zurück.  In 75 Schichten á 4 Stunden leisteten sie 300 Std. Wachdienst.

Zwei Anwohnerinnen, in deren Gärten das Wasser an die 70 cm! hoch steht, haben 10 Einsätze tags bzw. nachts gelaufen; ein Läufer, der hier eine Ferienwohnung hat, Urlaub nahm und aus München anreiste, hat 9 Schichten geleistet. Das sind besondere Einzelleistungen, aber ich bin sicher, dass jeder Läufer nach seinen Kräften dazu beigetragen hat, dass wir übrigen Anwohner uns sicher fühlen konnten. Dazu kommen noch einige Frauen, die, aus welchen Gründen auch immer, nicht mitlaufen konnten, aber für die Läufer Kuchen buken. Von der Gemeindeverwaltung wurden die Läufer mit Wasser, Kaffee, Bockwürsten, Brot und Eis versorgt.


Donnerstag, 20. Juni 2013: In der Nacht zu heute hatten wir ein schweres Unwetter mit stundenlangem Gewitter, heftigsten Sturmböen und 30 l/m² Niederschlag. Durch die Böen sind wenige km von uns entfernt am Deich 2 Bäume umgestürzt, die im vom Hochwasser aufgeweichten Vorland keinen Halt mehr hatten. Feuerwehren mussten die Bäume absägen und die großen Löcher am noch immer überfluteten Deichfuß provisorisch verfüllen.

Mittwoch, 19. Juni 2013, 15 Uhr: Die Verwaltung hatte doch noch ein Einsehen und hat den Deichwachdienst aufgehoben.

Mittwoch, 19. Juni 2013, 11 Uhr: Sonne total,  29° Grad im Schatten. Ab 18 Uhr soll der Deichwachdienst aufgehoben werden, aber bis dahin führt kein Weg dran vorbei. Es ist sooo heiß auf dem Deich. Pegel Besandten: 564 cm.

Dienstag, 18. Juni,  20 Uhr: Der Katastrophenalarm wir aufgehoben.

Dienstag, 18. Juni, 10 Uhr: Sonne, kaum Wind, Pegel Besandten: 568 cm

Heute habe ich die Einladungen des Bürgermeisters zum Dankeschön-Grillabend an die Deichläufern verteilt. Dabei habe ich mir einen Glassplitter in den Vorderreifen gefahren. Ich wurde mit dem Rad im Auto nach Hause gefahren und Alfred hat gleich den Reifen geflickt, damit ich heute Abend wieder zum Treff fahren kann. Um noch etwas mit den Deichläufern unterwegs zu besprechen, bin ich nach dem Treff den Deichläufern hinterher gefahren und habe mir auch noch meinen Hinterreifen kaputt gefahren, hatte somit heute 2 Fahrrad-Pannen. Wie gut, dass Alfred wieder daheim ist. Der Deichwachdienst wird hoffentlich zu Donnerstag Morgen beendet werden. Es macht sich eine gewisse Trägheit bemerkbar. Um meine Schichtpläne für Dienstag und Mittwoch zu füllen, musste ich doch schon einige Male telefonieren. Der Pegel in Wittenberge, von dem die Beendigung des Dienstes abhängt, fällt nur langsam und steht noch bei 664 cm, mit einem Fall von zuletzt 15 cm/tgl.

Das Schild des Elbe-km 501 ist wieder aufgetaucht. Die Eismarke aus dem Winter 2002/3 noch nicht. Die Eismarke ist der helle Fleck am li. Baum auf den jeweils ersten Bildern bis zum 7.6. Eismarke deswegen: Nach dem 1. Jahrhundertwasser im August 2002 gab es im Winter ein weiteres Hochwasser mit starkem Eisgang. Eine besonders große und dicke Eisscholle hat an diesem Baum die Rinde abgerissen. Beim momentanen Hochwasser gab es wieder im Krisenstab die Diskussion, die Bäume und Büsche  im Vorland zu roden, um die Fließgeschwindigkeit zu erhöhen. Einige Fachleute sagen, der Nachteil wäre dann, dass bei Winterhochwassern, wenn das Wasser mit Eisschollen darauf bis an den Deich steht, diese Eisschollen ungebremst in den Deich stoßen und ihn beschädigen können. Andere Fachleute sagen, dass das Wasser bei größerer Geschwindigkeit keine dicken Eisschollen bildet, die gefährlich werden könnten. Das kann ich nicht bestätigen, da ich vor viiielen Jahren am Elbstrand in Schleswig-Holstein angeschwemmte Eisschollen sah, die dicker waren, als ich groß bin, weil sich die Eisschollen übereinander schieben und zusammenfrieren! Und dabei ist die Elbe von der Mündung bis Hamburg durch den Tidenhub und den Schiffsverkehr in ständiger Bewegung!

Das Wasser sinkt wieder, zurück bleibt der angeschwemmte Unrat.

Beutegut für meine Beete im Vorgarten

Das Wasser ist wieder verschwunden, Alfred hat den Rasen gemäht, die Strauchpäonien sehen noch gut aus, aber...

das Bergsteinkraut und der Phlox sehen ziemlich mitgenommen aus, beide sind empfindlich gegen Nässe.

Den Rosen und dem Rittersporn bekamen die Nässe gut

Montag, 17. Juni 2013 - 12 Uhr: sonnig, leichter Wind, Pegel Besandten: 580 cm

Jeden Abend besucht der Bürgermeister unseren Deichläufer-Treff. So auch gestern. Im Vorwege hatte ich schon mit den Fw-Männern besprochen, dass wir für die Deichläufer ein Grillfest ausrichten wollen. Also fragten wir gestern den Bürgermeister, der in den Vorjahren die Deichläufer als Dankeschön zu einem Frühstück eingeladen hatte, ob er statt dessen einen Obolus zu diesem Grillfest beisteuern würde. Er war sofort einverstanden, nur die Höhe des Betrages müsste noch auf der demnächst stattfinden Gemeindeversammlung festgelegt werden. Wir rechnen damit, dass der Deichwachdienst am Mittwoch Abend beendet sein wird.

Mecklenburg-Vorpommern, Havelland und Niedersachsen haben den Katastrophenalarm schon aufgehoben, in der Prignitz besteht er noch. Der Deichwachdienst ist aber nicht davon abhängig, sondern von einer gewissen Wasserhöhe, nämlich 6,30 m in Wittenberge. Dort steht das Wasser z.Zt. noch auf 6,79 m.

Das Schild vor unserem Dorf für den Elb-km 501 ist wieder aufgetaucht

Sonntag, 16. Juni 2013 - 10 Uhr: Sonnig, 20 °, böiger Wind, Pegel Besandten: 591

Der Deichläufer-Treff wird nur noch sehr mäßig besucht, einige Besucher, die extra wegen eines Hilfseinsatzes anreisten, sind wieder fort; aber alle Läufer, die hier wohnen, haben ihre Bereitschaft für einen weiteren Einsatz bekundet, und das ist die Hauptsache. Bis Mittwoch wird der Deichläuferdienst voraussichtlich noch bestehen bleiben, da das Wasser nur langsam fällt.

In   Dömitz  normalisiert sich die Lage, die ersten Lebensmittelgeschäfte öffnen wieder.

Im sachsen-anhaltinischen Havelberg (rechts d.Elbe) ist die Lage immer noch ziemlich brenzlig. Brandenburg/Prignitz bot Hilfe an, z.B. Sandsäcke dorthin zu bringen. Trotzdem spitzte sich die Lage dort zu: 

Hochwasser in Havelberg - Eine Stadt stößt an ihre Grenzen

16. Jun. 2013 13:24 Uhr:

Havelberg (rtn) Seit Tagen reißen die Bauarbeiter mit mehreren Großbaggern die Straße zwischen Havelberg und Jederitz in Sachsen-Anhalt auf, damit dann durch dieses über hundert Meter breite Loch das Hochwasser aus der Elbe schneller in die Havel abfließen kann. Auslöser für das Hochwasser dort war ein über hundert Meter breiter Deichbruch bei Fischbek im Kreis Stendal, der am Sonnabend in einer spektakulären Aktion fast geschlossen werden konnte. In der betroffenen Region Havelberg und Jederitz sind seit Sonntag zur Deichsicherung auch die freiwilligen Feuerwehren aus Schleswig-Holstein eingesetzt, zwei Regionen die von den Auswirkungen des Elbe- und Havel-Hochwassers besonders stark betroffen sind.  Über eine Länge von 20 Kilometern sind dort Wiesen und Weiden überschwemmt, das Wasser steht über zwei Meter hoch. Bislang wurden mehr als 20 Ortschaften evakuiert, tausende Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Seit Sonnabend sind die freiwilligen Helfer aus Schleswig-Holstein im Krisengebiet unterwegs, falls nichts dazwischenkommt, bleiben sie bis zum 20. Juni in in Sachsen-Anhalt eingesetzt

Alfred hat heute Morgen einige Obstbäume anpfahlen müssen. Diese hatten sich bedenklich geneigt; da der Boden schon über Tage weich ist, hatten die Wurzeln keinen Halt mehr.

Auch ein Bodyguard hat mal Hunger

Samstag, 15. Juni 2013 - 10 Uhr: Sonnig, 19 °, windig, Pegel Besandten: 606 cm

Um 13 Uhr ist Alfred in Gaarz eingetroffen. Er ist wieder deaktiviert, aber noch in Bereitschaft.

Nachdem ich mich zum Schichtwechsel um 11 Uhr wieder überzeugt hatte, dass der Deichwachdienst auch heute wieder gesichert ist und der Kuchen, den ich von einer aus Gesundheitsgründen nicht am Deichsicherungsdienst teilnehmenden Frau erbeten hatte, auch eingetroffen ist, bin ich mit dem Radl nach Kietz gefahren. Dort waren gestern Helfer im Einsatz, um die abgerutschte Deichnarbe mit sog.  Faschinen  zu sichern. Auf dem 3. + 4. Foto sind diese zu sehen.

Das Wasser im Gemüsegarten wird etwas weniger, von unseren 7 Kartoffelreihen standen bis gestern 4 gut 10 cm unter Wasser, heute Nachmittag steht nur noch in einer Reihe etwas Wasser. Nun macht der Lollo Rosso schlapp.

18 Uhr: Gerade ist hier ein heftiger Sturm über uns hinweg gefegt, dazu hat es kräftig geregnet. Nun ist wieder eitel Sonnenschein und die Vöglein zwitschern... Man kann es gar nicht glauben!

Hier wurden Faschinen verlegt

Unter den großen Bäumen wächst das Gras nicht gut. Dazu kommt, dass die Schafe sich an den Bäumen kratzen                und dabei die Grasnarbe zertreten. So passierte es, dass hier ein Stück davon abrutschte.

Freitag, 14. Juni 2013 - 10 Uhr: Bedeckt, 18 °, windig, Pegel Besandten: 622 cm

Zur Mittagszeit sind die Feuerwehren unserer Gemeinde Lenzerwische und die Bundeswehr im OT Kietz im Einsatz. Dort hat sich wasserseits am Deich ein Teil der Grasnarbe abgelöst und nun droht der Deich auszuspülen. Die Strömung ist noch immer stark und der Wind sorgt für unruhiges Wasser, da muss sofort etwas gemacht werden.

In der vergangenen, ziemlich stürmischen, Nacht hat es bei uns 15 l/m² geregnet, im Bereich Hitzacker 26 l/m², in der Göhrde war so starker Regen, dass die Autos nicht mehr fahren konnten. Dieses Wasser können wir hier gar nicht gebrauchen! In unserem Gemüsegarten hat sich die Wasserlage nicht sehr verändert, aber der Blumengarten steht immer mehr unter Wasser. Auch zur Straße hin, neben der Auffahrt steht nun Wasser.

Heute Nachmittag wollte ich meine Gurken retten. Als ich anrückte, stellte ich fest, dass das blanke Wasser, welches morgens noch die Gurken umgab, nicht mehr da war - das lässt hoffen!

Es gibt immer wieder Lichtblicke

  

Danke, Ilona, für diesen schönen Mohn!                 Päonia 'Duchesse de Nemours', neu im letzten Jahr gepflanzt

An dem Treibselholz im Vordergrund stand das Wasser an seinem Höchststand. Es ist nun nicht um 2 m gefallen,                      dieser Weg ist sehr schräge und es sind nur knappe 50 cm, wie an der alten Weide im Hintergrund zu sehen ist.

 

  Die Taglilien beginnen zu blühen, die eine Dahlie sieht schon etwas mitgenommen aus, der Phlox hält sich noch...

 

  Die Goldulme hatte keinen Halt mehr im feuchten Boden

     

Die linke Hälfte des Feenkreises und der Rasen zwischen Feenkreis und Kirsch- sowie Apfelbaum stehen unter Qualmwasser

 

   An unserer Hofeinfahrt 

 

  Deichzuwegung neben unserem Grundstück

Nun kommen ein paar Bilder aus unserem Dorf               

     

    Qualmwasser wird durch ein unterirdisches Siel abgeleitet auf ein anderes, tiefer gelegenes, Grundstück

                      

      Der Fußballplatz liegt zur einen Hälfte unter Wasser, die  andere Hälfte ist "nur" aufgeweicht.

  

                                                                               Die Dorfwiese

Donnerstag, 13. Juni 2013 - 22 Uhr: Ein heftiges Regengebiet mit kräftigen Windböen und ein zwei Blitzen mit dazu gehörendem Donner zog über uns hinweg. Wir haben noch 14 °. Für die kommende Nacht ist weiterhin Sturm und Regen angekündigt. Das ist nicht gut. Die Bäume im Vorland bieten dem Wind durch das Blattwerk eine große Angriffsfläche. Durch den Sturm bewegen sie sich stark und lockern den Boden, der durch diese Pumpbewegungen Wasser zieht.

Pegel Besandten, 18 Uhr: 632 cm

Den heutigen Tag werde ich überwiegend daheim verbringen, weil die Klärgrube geleert werden soll. Dieser Termin steht seit 4 Wochen fest. Um 8 Uhr rief ich beim WTAZV an, ob geleert wird. Vllt. denkt man, dass wir es momentan nicht wollen, weil sonst der Behälter aufgeschwemmt wird; dass die Straßen gesperrt sind oder wir Land unter haben. Nein, es wird geleert, nur wann das Fahrzeug heute kommt, das konnte mir leider niemand sagen, daher muss ich hier warten. Mein Nachbar mit dem Seegrundstück hat seit heute Probleme mit der Verrieselung in seiner Anlage. Er muss nun auch leeren lassen. Um 14 Uhr kommt der Wagen. Es ist ein riesiges Fahrzeug. Der Fahrer ist sehr besorgt, ob er auch auf das Grundstück fahren kann und es unbeschadet wieder verlassen kann. Alles läuft problemlos ab. Ich sehe dieses Fahrzeug im Laufe des Nachmittags noch vor einigen anderen Grundstücken stehen. Dort sind die Kläranlagen durch Qualmwasser vollgelaufen.

 

 

           Am 11. war noch alles trocken, am 12. stand Wasser im Feenkreis,                                                                                       heute stehen auch schon Apfel- und Kirschbaum im Wasser

 

Am 10. zog diese Stelle etwas Feuchtigkeit, heute steht hier neben dem Sellerie auch der Lollo Rosso Salat im Wasser.              Die Mulchschicht aus Heu zwischen den Zucchini und Gurken zeigt auch feuchte Stellen.

Mittwoch, 12. Juni 2013 - Pegel Besandten, 18 Uhr: 655 cm, 12 cm weniger als gestern!

Heute war es sonnig und wir haben um 0 Uhr noch 19,9 °.

Der Scheitelpunkt des Jahrhundert-Elbehochwassers Juni 2013 ist mit 667 cm gestern vorbei gerauscht und wir haben hier Glück gehabt. Bisher!

Heute habe ich die Zeit verschlafen. Nach der allabendlichen Besprechung in der Feuerwache schreibe ich während des Abendessens die neuen Dienstpläne, setze die Meldungen an das Amt in Lenzen ab, aktualisiere diese Seite... dabei läuft die Zeit wie im Fluge und schon ist Mitternacht wieder vorbei. Um 8.30 Uhr klingelte es an der Tür und der Gemeindebote brachte 2 Bescheinigungen für 2 Läuferinnen für ihren geleisteten Dienst. Sie arbeiten beide im öffentl. Dienst, waren die ganze Woche frei gestellt und täglich gelaufen. Der Dienst als Deichläufer/in ist ganz schön anstrengend in/mit der Sonne über dem glitzernden Wasser. Und wer ist es hier schon gewohnt, 13 km/4 Stunden unterwegs zu sein? Mir fällt da niemand ein. Nebenan im nächsten Bezirk dauert eine Schicht tatsächlich 6 Stunden, gut, dass ich das abwehren konnte.

Wie ich gestern schon beschrieb, ist die Gefahr des Deichbruchs noch nicht vorbei. So viel Qualmwasser wie dieses Mal soll noch nie gewesen sein. Unser Nachbar hat wieder einmal einen See in seinem Garten. Sein Grundstück liegt etwas tiefer als unseres. Sein  Appenzeller Sennhund freut sich tierisch und tobt mehrmals täglich mit albernem Gebell im See herum.

Heute musste ich die Gummistiefel anziehen, um trockenen Fußes zu den Hühnern zu kommen. Vor dem gestapelten Feuerholz stehen ca. 10 cm Wasser, der Hecke davor steht das Wasser bis zum (Wurzel)hals. In 4 Kartoffelreihen steht Wasser, im Zucchini- und Gurkenbeet um die Pflanzen. Da mit Heu gemulcht ist, sehe ich das andere Elend nicht. Auch der Blumengarten ist nicht verschont: Der Rasen teilweise, der Feenkreis, das Blumenbeet zum Deich und zum Nachbarn mit dem Seehund sind blank. Im Blumenbeet zum Deich sah ich gestern Unkraut stehen, trat ins Beet...und schon war ich bis zum Knöchel weg. Gut, dass ich Gummistiefel anhatte.

Am Nachmittag habe ich noch einmal den letzten Deichläufer-Kandidaten auf meiner Liste besucht. Er war am WE noch auf Dienstreise. Gleich heute Abend um 19 Uhr erschien er zu unserer Lagebesprechung und hat sich in unsere Liste eingetragen. Diese Leute sind 2011 zur Zeit des damaligen Hochwassers hierher gezogen.

Seit heute Nachmittag ist die B195 ab Landesgrenze gesperrt. Somit ist keine Zufahrt nach Dömitz mehr möglich. Die Begründung: Zur Sicherung der gestern Abend, 11.6., festgesetzten Sperrgebiete (Allgemeinverfügung vom 10.06.2013) um und in Boizenburg, Dömitz und Ortsteilen von Lübtheen werden Straßen gesperrt und mit Verbotsschildern gekennzeichnet.

An einigen Stellen des Deiches in unserem Bezirk ist die Böschung schon dunkel geworden, was bedeutet, dass das Wasser schon aufgestiegen ist. Die Deichschrägen dürfen gar nicht mehr betreten werden. Fremden ist das Betreten des Deiches überhaupt verboten.

Die Wiesen in unserem Dorf stehen unter Wasser. Die Einbahnstraße im Dorf wird rechts und links von uns teilweise überspült. Die 2 Rinder auf der Dorfwiese sind noch da. Die Hauswarft ragt aus einer Seenlandschaft.

  

  

    Vom Weidenstumpf taucht heute schon wieder der Stamm auf

      

   Meine beiden Bodyguards, Pepe und seine Mama, die mit Körperdeckung arbeiten und in alle Richtungen sichern.

 

    Der Appenzeller See-/Senn-Hund. Nach dem Baden noch mit Sandpeeling!

 

    Nachbars See-/Senn-Hund-Becken  

 

     Ob dieser neuen Funkie das Fußbad bekommt?

    

 

     Der Feenkreis

  

Meine Freude heute: In unserem Horst wachsen 4 Jungstörche heran: Die 3 großen Jungstörche haben ihr kleineres Geschwisterchen ganz untergebuttert, Vater Jakob sucht es gerade.

Dienstag, 11. Juni 2013 - Pegel Besandten, ca. 2,5 km östl. von uns, um 10 Uhr: 667 cm. Bewölkt/Sonne, 20 °

Einkaufen mal eben nebenan ist nicht mehr möglich, auch der Norma-Markt hat nun seine Pforten geschlossen. Eigentlich wollte ich heute Morgen noch kurz mit dem Radl nach Dömitz, Eier wegbringen und für den Nachbarn ein Brot mitbringen. Ich kehrte noch kurz bei unserer 81-jährigen Nachbarin ein und wollte fragen, ob sie noch etwas bräuchte, da erzählte sie, dass sie soeben mit ihrem Sohn vom Arzt in Dömitz zurückgekommen sei und dort alle Geschäfte geschlossen hätten. Später, im Deich-Wachlokal der Feuerwache, hörte ich, dass die Geschäfte im 17 km entfernten Lenzen, dem Sitz unserer Gemeindeverwaltung, noch offen wären.

Der Scheitelpunkt der Flutwelle hat Wittenberge passiert. Die fallenden Pegel elbaufwärts weisen darauf hin, dass sich die Lage ab morgen auch für uns insofern entspannen wird, als das Wasser nicht mehr steigt. Wie auf den Bildern zu sehen ist, hätten wir noch einen guten halben Meter frei. Auf den Bildern sieht es nach mehr aus, weil man auf eine schräge Fläche schaut. Entwarnung bedeutet das jedoch noch nicht. Das Wasser hat den Deich durchgeweicht und übt auch einen starken Druck auf die eine Seite des Deiches aus. Das Qualmwasser  drückt nun auch am Deichfuß durch. Nun besteht die Hauptaufgabe der Deichläufer darin, auf diese Sickerstellen zu achten. Verfärbt sich das austretende Wasser milchig, ist anzunehmen, dass aus dem Deich Sand ausspült, er also ausgehöhlt wird. Dann muss schnellstens gehandelt werden. Die Deichläufer werden also noch in dieser Woche gebraucht und voraussichtlich auch noch in der nächsten. So lange der Katastrophenalarm besteht, wird auch Alfred noch in Perleberg seinen Dienst machen. Von 19 - 7 Uhr hat er mit 2 Kameraden Dienst im Katastrophenstab, anschließend schläft er in seinem Quartier in Düpow und geht eine Runde joggen, damit er wenigstens etwas frische Luft und Bewegung hat.

Für die vom ArbeitGeber freigestellten Deichläufer steht definitiv fest, dass ihre AG von der Gemeinde kein Geld für gezahlten Lohn bekommen werden. Der gebräuchliche Weg im Katastrophenfall ist, dass der ArbeitNehmer sein Geld wie immer bekommt. Der AG stellt einen Antrag auf Erstattung bei der Gemeindeverwaltung, diese zahlt an den AG und holt sich das Geld vom Land zurück. Das ist eine Enttäuschung für den einen oder anderen Deichläufer. Nein, Deichläufer nicht, nur die Fw-Leute bekommen Lohnersatzleistungen!

 

    Diese Brühe in meinem Haus? Der Gedanke ist schon unerträglich

 

  Dieses Schwanenpaar schipperte just vorbei. Sie hatten die Beine hochgeklappt und ließen sich teiben.

 

   Ihr braucht euch keine Sorgen machen, ich bin nicht allein. Mein Bodygards, Mama und Pepe, folgen mir.

  

    Dies ist zur Zeit mein morgendlicher Aus-/Anblick aus dem Schlafzimmerfenster.                                                                   Auf der Landseite des Deiches liegt getrocknetes Heu, weil vor dem Hochwasser gemäht worden war.

      

      Sehe ich da nicht einen neidvollen Blick ob meines neuen 30 m-Pools? Er ist noch nicht fertig.

             

        Auch der Mais hat nasse Füße                                                                                                                            

   

Nicht nur wir haben unsere Not, auch die Wiesenameisen bangen um ihr Leben. Ebenso die Schnecken, die zur Zeit besonders zahlreich unterwegs sind. Sie verstecken sich nicht mehr, sondern suchen erhöhte Blätter auf, z.B die Erdbeeren, Zwiebeln, Zucchini, Petersilie, Primeln ... Dort brauche ich sie nur noch zu ... finden.

Montag, 10. Juni 2013 - Pegel Besandten um 10 Uhr: 665 cm.

Heute scheint um 17 Uhr die Sonne und wir haben 23°.

Die ersten Deiche sind gebrochen. ICE-Verbindungen nach Berlin sind unterbrochen.

Bei uns steht das Qualmwasser nun auch auf der Obst- und Waldwiese, im Hühnerauslauf sowie am Holzhaufen... und im Gemüsegarten muss ich auch nicht mehr gießen. Wenigstens habe ich nun genug Gießwasser, um mein erhöht liegendes Anzuchtbeet und die Tomaten mit Wasser zu versorgen.  Dort stehen auch noch ca. 200 getopfte Tagetes und mindestens noch einmal so viele in der  Erde, die noch nicht getopft sind. 100 getopfte habe ich dem DRK-Altenheim in Dömitz zugesagt, in dem ich für das Perleberger Hospiz tätig bin. Dort werden sie aber in nächster Zeit nicht gebraucht, weil die Bewohner des Heimes heute nach Grabow in ein weiteres DRK-Heim evakuiert wurden. Bis in Dömitz alles wieder seinen Gang geht und man an Blumen denkt, da muss noch viel Wasser die Elbe hinunter fließen. Eine 1.000 l-Regenwassertonne, die nur ca. 1/3 gefüllt war, fülle ich auch mit dem Wasser, welches an ihrem Fuß hochdrückt, damit sie nicht weg geschwemmt wird. Vor dem Grundstück unseres Nachbarn hat sich ein 2 m breites Rinnsal über die Straße gebildet. Die Fließgeschwindigkeit der Elbe ist gestiegen. Heute Vormittag war ich in Dömitz. Ich brauchte Hühnerfutter, anschließend wollte ich noch ein paar Lebensmittel einkaufen. Der Aldi-Markt in Dömitz wurde gestern schon geräumt, der preiswert- und der Penny-Markt heute. So fuhr ich zu Norma. Dort war ordentlich was los, aber noch nicht so schlimm, wie vor Ostern oder Weihnachten.

Für Dienstag wird der Höhepunkt in Wittenberge erwartet, für Mittwoch hier bei uns

 

   13 Uhr

 

   13 Uhr, heute schauen nur noch die Zweige heraus

     

   Die Hühner freuen sich über das Wasser

 

  Hier entsteht mein 30 m- Pool an der Grenze zum östl. Nachbarn

 

   Hauszuwegung unseres östl. Nachbarn.  Auf den Feldern links und rechts des Weges steht auch Wasser

                                                   

                                               Zum Schluss noch ein Lichtblick                                          

             

             

                Diese Pfingstrose verströmt einen wunderbaren Duft, der mich begrüßt, wenn ich den Garten betrete

Sonntag, 9. Juni 2013 - 10 Uhr: Pegel Besandten: 618 cm

8 Uhr: Seit gestern ist das Wasser um 1 m gestiegen.  Die Bewohner der Wittenberger Altstadt wurden aufgerufen, freiwillig ihre Wohnungen zu verlassen. Das Wasser, welches dort in die Stadt läuft, findet seinen Weg über weitere Wasserwege auch in unser Hinterland. Dann wird es nicht nur von vorne, der Elbe, feucht, sondern auch noch von hinten. So war es schon vor Jahrhunderten (sh. 'Der Deich'). Bei uns ist es heute bedeckt bei 14 °, im Süden schon wieder Regen in Sicht.

Die Deichläufer-Riege ist nun gut aufgestellt. Einige der Leute, die ich gestern aufsuchte, sind gekommen und haben Dienste übernommen, einige sind nicht gekommen. Wegen des Ausfalls der Fw-Leute mussten einige Schichten kurzfristig von anderen Läufern übernommen werden. Alles kein Problem! Die abendlichen Besprechungen werden gut besucht und es werden viele Eintragungen in die Schichtpläne gemacht. So sind die Dienste auf viele Schultern verteilt und gut zu tragen!

  7 Uhr

    Diese Bäume stehen vor unserem Haus im Deichvorland

 

    7 Uhr, wird die Spitze dieses Weidenstumpfes morgen noch zu sehen sein?

 

    7 Uhr, hier war bis gestern vor unserem Dorf noch ein Stück des des Elb-Km-Schildes 501 zu sehen

Samstag, 8. Juni 2013 -  16 Uhr: Endlich bin ich wieder von meiner Radeltour zurück. Ich war nicht wirklich erfolgreich. Immerhin habe ich zwei Zusagen, heute Abend zur Besprechung zu kommen und sich dort einzutragen. Ich habe auch meine Zusage gegeben, dass, wenn sie nicht zur Besprechung kommen, ich morgen wieder zu ihnen komme! Sowie eine viel versprechende Zusage, dass ein Anwohner, der außerhalb wohnt, sich in der Woche ab 17.6. frei nehmen und uns unterstützen will. Das klingt gut, weil uns, die wir bis dahin doch schon so einige Runden gedreht haben, jede Entlastung freut, entlastet und motiviert. Laut Vorhersage müssen wir uns ja darauf einstellen, dass dieser Dienst 3 Wochen anhalten könnte. Alfred hat mir eben erzählt, dass die Bw nun auf dem Weg nach Boizenburg ist. 

 

   16 Uhr, vor unserem Haus

 

 Der Weidenstumpf im Elbvorland vor unserem Haus

11 Uhr: Gerade habe ich mit Alfred telefoniert, der sich ziemlich geschafft anhörte. In seiner Nachtschicht ging es wohl ziemlich turbulent zu. Die neuen Prognosen sehen nicht mehr so gut aus. Man erwartet doch wieder einen höheren Pegel, als gestern noch prognostiziert wurde. An allen Ecken wird die Bw angefordert zum Sichern mit Sandsäcken und Gerät.

10 Uhr: Pegel Besandten: 534 cm. In den Nachrichten hörte ich grade, dass die Überquerung der Elbe im Kreis Dannenberg auf der B 191 über die Elbebrücke nach Dömitz nicht mehr möglich ist. Die Durchfahrt Dannenbergs ist auch nicht mehr möglich. Außerdem stelle ich gerade fest, dass mein Mobilnetz D1 nicht (mehr?) verfügbar ist.

8 Uhr: Das Wasser steigt. Auch in den Gärten sehe ich bei meinen Radeltouren auf dem Deich das Wasser aufblitzen. Auf diesen Radeltouren fahre ich zu den Bewohnern unserer Gemeinde, die sich bisher noch nicht als Deichläufer zur Verfügung stellten. Ich habe die Schicht-Pläne dabei und dann appeliere ich an sie, auch ihren Beitrag zur Deichsicherung und damit zu unser aller Sicherheit, beizutragen. Der Deich schützt ja auch ihr eigenes Hab und Gut, mir fällt hier niemand ein, der in einem gemieteten Haus wohnt. Leider sind es immer dieselben Leute, die sich drücken.

Heute Morgen sind unsere Fw-Männer dabei, Sandsäcke zu füllen und an gefährdete Plätze zu transportieren. Vom Ortwehrführer habe ich Bescheid bekommen, dass mit unseren FFw-Männern als Deichläufer nicht mehr zu rechnen ist. Es stellten sich aber sofort andere Freiwillige für deren Schichten zur Verfügung. Dieses Mal ist die Grundeinstellung der Bewohner unserer Gemeinde dem Dienst als Deichläufer gegenüber viel positiver, als bisher. Die Leute, von denen ich oben schrieb, die aus dem Rahmen der Freiwilligen herausfallen, trifft man immer wieder, werden sie direkt angesprochen, helfen aber auch sie.

 

   7 Uhr, vor unserem Haus

 

   7 Uhr, vor unserem Haus

 

   7 Uhr, Elb-Km-Schild 501 vor unserem Dorf, dieses Schild wird noch öfter erwähnt

Freitag, 7. Juni 2013 - Seit heute Morgen sind die Deichläufer unterwegs. Um 6 Uhr begann ich mit einem Mitläufer die 1. Schicht und bin gerade wieder zurück. Das Wasser ist nun doch schon merklich gestiegen, fließt aber gaaanz gemächlich unter einem blitzeblauen Himmel und strahlender Sonne dahin. Von Hochwassertourismus haben wir nichts bemerkt, eher fahren weniger Radler auf dem Deich als sonst, nur noch die, welche nicht wissen, dass das Befahren des Deiches, auch mit dem Rad, nicht mehr erlaubt ist, wenn der Katastrophenalarm ausgelöst wurde. In dem Gebiet, das wir kontrollieren müssen, liegt auch ein Pegel, der von den Deichläufern abgelesen werden muss. Dieser Pegel auf Höhe des Gemeindeteils Besandten hatte einen Stand von 445 cm. So war er um 7.30, als wir erstmals kontrollierten und auch um 10.30, als wir die 2. Kontrolle machten. Das Wasser steigt also nicht schnell. Mittlerweile hat es auch schon eine Mitteilung gegeben, dass das Hochwasser nicht so verheerend ausfallen soll, wie Anfang der Woche noch angenommen wurde. Der Abtransport der Rinder wurde vorerst wieder abgesagt.

Die Deichläufer sind in diesem Jahr zahlreicher, als in den vergangen Hochwasserjahren 2006 und 2011. Eine kürzlich zugezogene Familie hat Besuch, der extra geblieben ist, um mitzulaufen. Ebenso sind bei dessen Nachbarn, der seinen Geburtstag feierte, 2 Gäste geblieben, um bei der Deichwache zu helfen. Das sind 6 Männer, die uns tatkräftig unterstützen! Es gibt aber auch ein paar Willige, die beim letzten Hochwasser 2011 noch mitliefen, mittlerweile aber ein Alter erreicht haben, in dem es ihnen nicht mehr möglich ist, diese Strecke von gut 10 km in 4 Stunden zu bewältigen. Auch einige Fw-Männer haben sich eingetragen. So ging ich gestern Abend nach der 1. der nunmehr täglich angesetzten Versammlungen mit einem bis Montag Abend gesicherten Schichtplan nach Hause! Nach anfänglichen Schwierigkeiten: wir sollten heute um 6 beginnen und im 6-Std. Rhythmus laufen, im restlichen Teil unserer Gemeinde macht man es so, weil zu wenig Leute mitmachen. Ich habe klarstellen können, dass ich mit 6-Std.-Schichten mehr Läufer vergrämen würde. Zu 4 Std. sind sie auch nach der Arbeit noch bereit; 6 Stunden nach einem Arbeitstag, das kann ich einem Berufstätigen nicht zumuten. Für 6 Stunden kann ich auch nicht einen 70-jährigen bei dieser Hitze auf den Deich schicken. Naja, mein Vorschlag wurde für unseren Bereich akzeptiert und er funktioniert auch. Die Auslösung des Katastrophenalarms ermöglicht es Arbeitnehmern, den Arbeitgeber um Erlaubnis zu bitten, ihn für Dienste wie Deichlaufen oder Sandsäcke füllen u.ä., von der Arbeit freizustellen. Der Arbeitgeber bekommt den Lohn in gewissem Umfang auf Antrag (nach langer Wartezeit) erstattet.

Anm.: Im Nachhinein ist bekannt geworden, dass es für Deichläufer keinen Lohnersatz gibt!

Alfred ist derweil noch bei der Kreisverwaltung in Perleberg. Die Bw ist an allen möglichen Orten im Einsatz und sichert mit Sandsäcken Deiche, Straßen, Bahndämme... Drei Kameraden teilen sich den Nacht-, drei den Tagesdienst. Alfred hat die Nachtschicht gewählt und hat Dienst von 19 bis 7 Uhr.

 

  Baumgruppe vor unserem Haus. Am linken Baum sind die Eismarken zu sehen, von denen ich ab und zu schreibe.

 

  Der Weidenstumpf vor unserem Haus

 

      Elb-Km-Schild 501 vor unserem Dorf, noch ist es weithin gut sichtbar

Donnerstag, 6. Juni 2013 - Seit gestern, 15 Uhr, ist in der Prignitz der Katastrophenalarm ausgerufen. Heute Morgen hat Alfred wieder seine Uniform angezogen: seit 8 Uhr ist er unbefristet einberufen beim Krisen-Verbindungs-Kommando der Bundeswehr und wird voraussichtlich für die nächsten 3 Wochen in Perleberg in der Kreisverwaltung stationiert sein. Ab morgen beginnt hier die Arbeit der Deichläufer. Bei uns ist oberflächlich betrachtet noch alles ruhig, aber in der Nachbarschaft hört man doch schon mal einen Diesel-Motor zur Probe laufen. Der Schäfer hat grad eben unter 'Aufsicht' eines NDR-Teams seine Schafe abgefahren. Bin mal gespannt, welche Dramatik daraus wird, ob es schon heißt: "Schafe aus den Fluten gerettet!" Sollte der Strom ausfallen, funktioniert kein Herd, keine Solar- und Photovoltaikanlage, kein Festnetz- und Mobiltelefon mehr. Alfred hat gestern die Pumpe für die Gartenbewässerung aus dem Schacht geholt. Ich habe mir eine Gasflasche und den Gas-Campingkocher hervor geholt, werde täglich einen 30 l Kanister neu mit Wasser füllen und der Dinge harren. Die Frage, was mit dem Inhalt der Gefriertruhe passiert, kreist noch, aber dafür werde ich wohl keine befriedigende Lösung finden. Die Organisation des Deichwachdienstes und die eigene Teilnahme daran werden mich außerdem beschäftigen. Langeweile wird nicht aufkommen.                                                                                                                       Am Sonntag ist der 2. Termin "Offene Gärten in der Prignitz 2013". Wir wissen noch nicht, ob die Straßen dann noch frei sind oder schon polizeilich gesperrt, um die Hochwassertouristen fern zu halten, die das Verteilen der Sandsäcke und den Abtransport des Viehs behindern würden. Ich gehe mal davon aus, dass er hier im elbnahen Gebiet ausfällt, ich habe auch gar nicht mehr die Zeit, viel dafür vorzubereiten, wie Kuchen backen und mich am Sonntag nur damit zu beschäftigen. Ich werde sowieso Kuchen backen für die Deichläufer, da backe ich einen zweiten für Gartengäste, stelle eine Kanne Kaffee hin und hoffe, dass ich am Sonntag daheim bin, wenn Gartengäste kommen sollten. Alfred hat gestern Abend noch einmal im Eiltempo den Rasen gemäht. Der Blick über den Deich sagt heute schon, dass das Wasser im Anmarsch ist, das Vorland steht immer mehr unter Wasser, nur vereinzelt schaut noch Gras heraus. Bis heute sollte eigentlich das hüfthohe Gras am Deich gemäht sein. Als Deichläufer kann man so nicht sehen, ob Wasser durch den Deich sickert. In der Anfangszeit der Lauferei, wenn das Wasser noch niedrig ist, kommt es darauf an zu schauen, ob der Biber, der nun seine Bauten im Vorland verlässt, weil diese total unter Wasser stehen, sich nicht eine neue Behausung in den Deich gräbt. Diese Löcher würden vom Wasser weiter ausgespült werden und der Deich dann ausgehöhlt.

 

 

   Vorland vor unserem Haus

 

        Elb-Km-Schild 501 vor unserem Dorf

Mittwoch, 5. Juni 2013 - auch heute sieht es bei uns nicht bedrohlich aus. Zum Wochenende jedoch wird das nächste Jahrhunderthochwasser erwartet. Das Jahrhunderthochwasser von 2002 wurde schon 2011 übertroffen, nun wird ein noch höherer Wasserstand als 2011 erwartet! In Tschechien wurden bisher die Talsperren gefüllt. Nun läuft das Wasser in die Elbe. Es besteht aus Schmelzwasser und den ergiebigen Niederschlägen. Bis es bei uns ankommt ist noch viel Wasser aus den Nebenflüssen hinzugekommen. Auch dort hat es in den letzten Wochen Regenzeiten gegeben. Es wird mit einem Hochwasserstand über 3 Wochen gerechnet. Alfred war gestern von 11 Uhr bis 17 Uhr in Perleberg, heute ist er schon um 7 Uhr abgefahren. Er ist Angehöriger des Krisenverbindungskommandos  -KVK-  und ist als Vertreter der Bundeswehr in Perleberg bei den Beratungen über den Ablauf der Maßnahmen in Zeiten wie diesen als Bindeglied mit dabei. Wenn Hilfe der Bundeswehr benötigt wird, kann Alfred sagen, wie die Bundeswehr helfen kann und was diese Hilfe kostet!

 

 

  

  Deichvorland mit Weidenstumpf vor unserem Haus in Richtung Lenzen, elbaufwärts

 

    Deichvorland vor unserem Haus in Richtung Dömitz, elbabwärts 

 

    Deichvorland vor unserem Haus in Richtung Dömitz, elbabwärts.

Dienstag, 4. Juni 2013 - Es sieht alles noch so friedlich aus. Ruhe vor dem Hochwasser! Schafe am Deich.

Montag, 3. Juni 2013 - Die Elbe steigt! Das Wasser hat, bei einem Pegel von 3,70 m in Dömitz, bei uns den Deichfuß erreicht.

SACHSEN: An 15 Pegeln war am Montag die höchste Hochwasseralarmstufe 4 überschritten.

THÜRINGEN: Teile Ostthüringens haben sich in ein Katastrophengebiet verwandelt. Etwa 2.600 Menschen mussten ihre Häuser und Wohnungen verlassen.

SACHSEN-ANHALT: Sachsen-Anhalt droht nach offiziellen Einschätzungen ein noch schlimmeres Hochwasser als bei der Jahrhundertflut. Halle befürchtet das schlimmste Hochwasser seit 70 Jahren. Es werde mit einem Wasserstand von 7,50       Meter für die Saale gerechnet, hieß es.

Nach den ergiebigen Regenfällen der letzten Wochen an der Elbe und in den Gebieten der zuführenden Flüsse spitzt sich die Lage nun auch bei uns in der Prignitz zu.

Auch Brandenburg in Sorge

Andere Bundesländer kämpfen schon gegen Hochwasser – auch die Brandenburger müssen sich in dieser Woche Sorgen um ihre Deiche machen. Je nach Regenmenge und der Wassermasse anderer Flüsse steigt die Hochwassergefahr. "Vor allem in der Prignitz erwarten wir einen starken Anstieg des Wassers bis auf Alarmstufe 3", sagte der Sprecher des Landesumweltamtes, Wolfgang Genehr, in Cottbus. Dann erreiche das Hochwasser von Mulde und Saale die Elbe in Brandenburg. Bisher übe das Wasser aber nirgendwo in Brandenburg Druck auf die Deiche aus.

Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst in Potsdam sagen für den Wochenanfang in Brandenburg bis zu 40 Liter Regen auf einen Quadratmeter voraus. Von Dienstag an soll sich das Regengebiet über dem Land aber zurückziehen. Dennoch: "Der Boden ist gesättigt, insgesamt ist es schon eine angespannte Situation", sagte der Sprecher.

Nicht nur die Elbe führt viel Wasser.

BAYERN: An der Donau in Passau wurde ein neuer Hochwasser-Rekord gemessen: Das Wasser stand 12,50 Meter hoch - das gab es seit mehr als 500 Jahren nicht. Nur aus dem Jahr 1501 ist ein höherer Wert überliefert.

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